PLAN B

The heart is the muscle we like to work out – Lisi Estaras, Ido Batash & SONICO Ensemble (AR/IL/BE)

Der Tango in seiner klassischen Form erfordert, dass zwei Partner in Beziehung zueinander tanzen. Es werden starre Rollen vorgegeben, die eine gewisse Perfektion und eine ausgewogene Situation hervorrufen. Dennoch kann der Tango auch eine nicht vollendete und nicht harmonische Konfiguration sein, indem er sein eigenes Wesen, seine Komposition und seinen kulturellen Hintergrund dekonstruiert und in Frage stellt.

​In The heart is the muscle we like to work out entwickeln die Tänzer*innen eine innovative choreographische Sprache mit einer rohen und clownesken Körperlichkeit, die vom Tango und Art Brut inspiriert ist. „Dance Brut“ sozusagen. Die Choreographen-Tänzer*innen Lisi Estaras und Ido Batash und das in Brüssel ansässige Tangoquintett SONICO begegnen sich auf humorvolle und eigenwillige Weise. Die provokanten Tangokompositionen des Argentiniers Eduardo Rovira, der „vergessene Piazzolla“, sind Quelle der Inspiration.

Nach der Zusammenarbeit von Lisi und Ido in The Jewish Connection Project – in dem sie ihre zwiespältigen Gefühlen gegenüber ihrer jüdischen Identität hinterfragten – erforschen sie nun die entgegengesetzte Seite der Identität. Genauer gesagt, jene Identität, die nicht durch vorgegebene soziale, ethnische und kulturelle Faktoren bestimmt wird. Wie wäre es, ein unbeschriebenes Blatt zu sein, ein sorgenfreies Individuum ohne Geschichte oder sozialen Hintergrund? Was wäre, wenn „Bewegung“ und „Zustand des Seins“ sich auf einer Ebene der Abwesenheit befinden und dennoch geschehen, sich entwickeln und bewegen? The heart is the muscle we like to work out ist ein Eintauchen in einen  imaginären Zustand, einen Blick zurück auf ein Gefühl von Menschlichkeit zu werfen.

Für die choreographische Arbeit nähern sich Lisi und Ido dem Tango mit der MonkeyMind-Methode, die chaotische Gedanken und Gefühle in Tanzbewegungen übersetzt. In The heart is the muscle we like to work out erarbeiten sie diese spezifische Tanzsprache und untersuchen die Beziehung zwischen Tanz und der Welt des Art Brut – das repetitive System, das systematische Zwangsverhalten, eine Handlung immer wieder zu wiederholen, den fieberhaften Drang, eine eigenwillige Welt zu schaffen, grundlegende Impulse auszudrücken.

Für die Musik arbeiteten Lisi und Ido zum zweiten Mal mit dem Brüsseler Tangoquintett SONICO zusammen, die Tangokompositionen von Eduardo Rovira als Inspiration und Vorbild nutzen. Dieser provozierende argentinische Avantgarde-Komponist (1925-1980) versuchte bereits Anfang der sechziger Jahre, die musikalische Dekonstruktion des Tangos zu erreichen. Roviras Musik drückt starke Stimmungen, plötzliche Swingwechsel, Angst, Abruptheit und ein Gefühl der Unverbundenheit und Instabilität aus. Durch die Komplexität der Rhythmen und ihrer eklektischen Einflüsse (Folk, Barock, Jazz, zeitgenössische Musik…), wird die Musik zu einem idealen Kontrapunkt, um eine unbekannte Landschaft zu erschaffen, in der wir unsere Erscheinung und unser Verhalten mit der Unwissenheit spielender Kinder leben.

 

Dauer: 60 min.

 

Eine Produktion von MonkeyMind in Zusammenarbeit mit SONICO. In Koproduktion mit Le Manège Maubeuge (FR), De Grote Post Oostende (BE) und MA Scène Nationale – Pays de Montbéliard (FR). Residenzen am Tanzhaus Zürich (CH) und am BAMP Bruxelles (BE). Mit der Unterstützung von Les Ballets C de la B und KC Vooruit Gent (BE).