PLAN B

Panaibra Gabriel Canda (MZ)

Inspiriert von 
den Autoren Janusz Korczak und Fernando Pessoa beschäftigt sich der mosambikanische Choreograf und Tänzer Panaibra Gabriel Canda mit den unterschiedlichen Welten und Sichtweisen von Erwachsenen, Kindern sowie verlorenen oder verschütteten Utopien.

Es gibt eine Verbindung zwischen mir und dem anderen Ich, wie das Wurmloch, das das Teufelsmeer mit dem Bermuda Dreieck verbindet. Eine Verbindung zwischen dem Ich, dem Auge der Kamera und dem projizierten Bild. Es steht für unsere Gesellschaft, in der zwischen dem Ich und der Erwartung der Anderen eine Spannung besteht, die manchmal die Projektion eines weiteren Ich erzwingt. Aber was ist dieses andere Ich?

Es besteht ein Missverständnis zwischen dem rationalen Denken des Menschen und seiner Irrationalität: ein stummer Schrei, der die Menge anspricht, ein blinder Blick, der eine Landschaft sieht, eine verstümmelte Bewegung, die in die Leere greift, ein geruchloser Geruch, der die Umgebung erstickt, ein geschmackloser Geschmack, der auf der Zunge sticht; ein Geist, der das Unterbewusstsein eines Bewusstseins bewohnt, das demokratische Diktaturen billigt, indem es sich in der Trägheit einer vermeintlichen Freiheit eines Lebens in Stillstand einrichtet.

Dies ist der Mann vom Meer, der den Wal nicht vorbeiziehen sah, die Walgesänge nicht hörte, das Salz des Wassers nicht spürte geschweige denn die Bewegung der Welle. Dieser Mann lebt hier, in dieser Welt, in der sich Helden in Schurken verwandeln, Befreier in Ausbeuter, Ideologien in Glauben, Religion in Politik, Kriege in Geschäfte, Regierungen in Unterdrücker, Grenzen in Mauern, Sicherheiten in Unsicherheiten. Ja, hier ist der Mann, der die Erde verseucht, um auf dem Mond zu leben – ohne Schwerkraft oder Sauerstoff. Willkommen! (Panaibra Gabriel Canda)

Dauer: ca. 60 min

Eine Produktion von Panaibra Gabriel Canda/CulturArte.

Konzept, Choreografie und Performance
Panaibra Gabriel Canda

Technische Leitung
Caldino José Alberto

Video
Noam Gorbat

In (Un)official Language kreist Panaibra Gabriel Canda um die Sprache als Sinnbild für die Zerrissenheit in Mosambik, das 1975 seine Unabhängigkeit erlangte. Dort trifft das Portugiesische als offizielle, durch die Kolonialmacht Portugal importierte Sprache auf die indigenen Sprachen des Landes: Mit der einen wird im offiziellen Raum kommuniziert, mit den anderen gefühlt und gedacht. Der mosambikanische Choreograf untersucht gemeinsam mit der großen portugiesischen Jazz-Sängerin Maria João, einem weiteren Musiker sowie zwei TänzerInnen dieses Erbe und seinen Einfluss auf die Identität eines Landes. Was bedeutet es, wenn wir mit der einen Sprache die Welt wahrnehmen und mit der anderen über sie sprechen? (Un)official Language ist ein Stück über die Unmöglichkeit, mit Sprache zu kommunizieren. Ausgehend vom Turm zu Babel, dessen Bau mit bunten Holzklötzen evoziert wird, reicht die verbale Nichtkommunikation bis ins digitale Zeitalter. „Press 1 for English, press 2 for Portuguese“ hilft wenig, wenn die Inhalte nicht kompatibel sind. Der Körper erinnert sich an Begebenheiten, die der Kopf vergessen hat „In einem Land mit 64 indigenen Sprachen ist der Körper stark, nicht das Wort, dem wir nicht mehr glauben“, so Panaibra, und sehnt  sich nach einer Welt voller Neugier auf das Unbekannte. Vielfalt als antikoloniales Prinzip.

Dauer: 75 min.

Eine Produktion von CulturArte. In Koproduktion mit Parc de la Vilette Paris, Kunstenfestivaldesarts Brüssel und Zürcher Theater Spektakel. Unterstützt von PAMOJA program – ACP Cultures-funded by the European Union, Calouste Gulbenkian Foundation, Institut Français Paris, Franco-Mozambican Cultural Centre.

Regie und Choreographie
Panaibra Gabriel Canda

Musik
Maria João und João Farinha

Von und mit
Panaibra Canda, Leia Mabasso, Maria João und João Farinha

Text
Panaibra Gabriel Canda

Licht Design
Jan Yoshi Goettgens

Bühne und Requisite
Jan Yoshi Goettgens und Panaibra Gabriel Canda

Kostüme
Andrea Ramirez, Jan Yoshi Goettgens und Panaibra Gabriel Canda

Maria ist der Name der Mutter Gottes, der Name unzähliger Mütter und Töchter und der Name der Tänzerin auf der Bühne. Ein Name, auf den zahlreiche Vorstellungen von Weiblichkeit projiziert werden. In dem zweiteiligen Stück Solo for Maria tanzt die beinamputierte Performerin Maria Tembe gegen einschnürende Regeln und gesellschaftliche Zuschreibungen an. Ihr Solo zeigt voller trotziger Selbstbehauptung, wie sich Gewalt in den Körper einschreibt. Im ersten Teil der (auto-)biografischen Choreografie führt die Tänzerin und Schauspielerin dem Publikum ihr Bewegungsrepertoire vor und lässt ihren Körper Sehgewohnheiten unterlaufen. Im zweiten Teil, inszeniert von Panaibra Gabriel Canda, werden Frauenrechte und Gewalterfahrungen verhandelt. Indem sie sich den Blicken des Publikums nicht nur aussetzt, sondern diese auch mit großer Intensität zurückwirft, erzeugt Maria eine intensive und schonungslose Intimität.

Die Tänzerin und Schauspielerin Maria Domingos Tembe wurde in Maputo, Mosambik geboren. Ihre Ausbildung im zeitgenössischen Tanz erhielt sie im Rahmen des Projekts (In)Dependence von CulturArte bei den Choreografen Panaibra Gabriel Canda (Mosambik), Martial Chazalon (Frankreich), Martin Champaut (Kanada), Boyzie Cekwana (Südafrika) und Carlos Pez (Spanien). Sie trat als Tänzerin u.a. in (in) dependence (2007) von Panaibra Gabriel Canda auf, das in Maputo und Lyon sowie auf Mayotte und La Réunion gastierte, in Inkomati (des)accord (2009) von Panaibra Gabriel Canda und Boyzie Cekwana und in Borderlines (2010) von Panaibra Gabriel Canda, die beide u.a. am HAU Hebbel am Ufer, in Maputo und beim Global DanceFest, New Mexico zu sehen waren sowie in Metamorphoses (2015) von Panaibra Gabriel Canda Als Schauspielerin war sie im Film De corpo e alma (2010) von Matthieu Bron zu sehen.

Dauer: 35 min.

Eine Produktion von Panaibra Gabriel Canda / CulturArte.

Konzept
Panaibra Gabriel Canda

Mitarbeit und Performance
Maria Tembe

Licht Design
Caldino Jose

Mosambik – 16 Jahre Bürgerkrieg. Der Körper als Grenzgebiet. Wie haben sich die Traumata und Kriegsversehrungen aus vier aufeinander folgenden Kriegen in die Körper eingeschrieben, diese teilweise entstellt? Panaibra Gabriel Canda lässt seine fünf Tänzer und Tänzerinnen in Borderlines die zerrissene Geschichte des Landes tänzerisch erzählen. „Die Performer sind Teil einer kollektiven Geschichte, wie ich selbst auch“, sagt Panaibra. Sie gehen dem Thema der Grenzen auf den Grund, suchen das Gleichgewicht in der Beziehung zwischen dem Einzelnen und dem Anderen, die ganz individuelle Balance in einer Welt gegenseitiger Abhängigkeit. Sie erzählen eine Geschichte der Gewalt, deren Überwindung utopisch erscheint. Ein Mann, der abseits der Bühne Krücken benötigt, und drei Frauen, von denen einer die Beine amputiert wurden, überführen ihre Schmerzerfahrungen in beklemmend kraftvolle Szenen. Eine fesselnde Choreografie voller zarter Zuwendung und schonungsloser Ablehnung. Ein Tanz der Vorurteile gegenüber Herkunft und Gender, Glaube und Religion.

Dauer: 60 min

Eine Produktion von Panaibra Gabriel Canda/CulturArte.

Choreographie
Panaibra Gabriel Canda

Von und mit
Amelia Socovinho, Antonio Bila, Domingos Bie, Maria Tembe und Sonia Mulapha

Künstlerische Mitarbeit
Joao Mocavel

Text
Panaibra Gabriel Canda (inspiriert vom Komponisten Sam Cooke und anderen Reden)

Licht Design
Caldino Jose

Musik
Salomão J. Manhiça, S. string Jazz quartet, Alva Noto & Ruichi Sakamoto

Point of Intersection ist die Weiterführung der unermüdlichen Suche des mosambikanischen Choreografen Panaibra Gabriel Canda nach dem postkolonialen afrikanischen Körper, befreit von vorgefertigten Körperbildern und losgelöst von Stereotypen. In diesem Stück arbeitet er mit zwei unterschiedlichen Generationen zusammen: ältere und jüngere TänzerInnen mit ganz verschiedenen ästhetischen Ansätzen. „Sie bewegen sich zwischen einer modernen und einer traditionellen Ästhetik. Point of Intersection ist ein Zusammenprall dieser beiden Generationen, ihrer Ideen und Werte. Dieser „Schnittpunkt“ kann auch als Ort verstanden werden, der eine neue Sprache entstehen lässt“, so Panaibra. Die Performer entwerfen Bilder der Macht, versinnbildlicht durch Stühle. Die stehen für gewachsene Strukturen, Zugehörigkeit. Für das Alte, Festgefahrene. Um ihn herum entwickeln die Performer mit existenzieller Dringlichkeit Szenen des, manchmal spielerischen, Kampfes um einen Platz im Leben und in der Geschichte und um die Möglichkeit, sich von einer alten Generation und ihren Gesetzmäßigkeiten abzulösen. Wer besitzt Macht und wie gewinnt oder verliert man diese? Existiert vielleicht doch ein Raum, in dem wir Macht und Zusammenleben teilen können? „Tanz hilft zu verstehen, dass jeder Schritt unser eigener und politisch ist – für unsere Freiheit“, so Panaibras Credo.

Dauer: 60 min.

Eine Produktion von Panaibra Gabriel Canda/CulturArte (Maputo). In Koproduktion mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Theater im Pumpenhaus Münster, Donko Seko Bamako, tanzhaus nrw Düsseldorf und Kampnagel Hamburg im Rahmen von Dance Dialogues Africa mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung und des Goethe-Instituts Johannesburg.

Choreographie und Text
Panaibra Gabriel Canda

Von und mit
Domingos Bié, Leia Mabasso, Sonia Mulapha and Vasco Mirine

Musik
Jorge Domingos

Der Körper ist Geschichte. In diesem Fall: die jüngere Historie Mosambiks.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 hat Mosambik fortwährend Verwerfungen erlebt, politische, soziale und emotionale. Panaibra Gabriel Canda unternimmt in Time and Spaces: The Marrabenta Solos eine tänzerische Selbstbefragung. Er bewegt sich zwischen Afrika und Europa, zwischen den Extremen und Zeiten: Gestern Kolonialismus, Nationalismus, Kommunismus und Militarismus. Heute fragile Demokratie und Suche nach individueller Freiheit. Im Körper des afrikanischen Künstlers spiegeln sich die Zerrissenheit des Landes, der Biografien, der Sehnsüchte – sichtbar gemacht mit minimalen, eindringlichen Gesten. Begleitet wird der Soloperformer von dem fantastischen Gitarristen Jorge Domingos, der Marrabenta spielt, eine Musik, die in den 50er Jahren aus afrikanischen und  europäischen Einflüssen entstanden ist.

Dauer: 60 min.

Eine Produktion von Panaibra Gabriel Canda/ CulturArte (Maputo). In Koproduktion mit Sylt Quelle Cultural Award for Southern Africa 2009 in Kooperation mit dem Goethe Institut Johannesburg. Unterstützt durch Kunstenfestivaldesarts, Bates Festival, Panorama Festival, VSArtsNM. Dank an Jesse Manno, Dan Minzer, Leah Wilks, Cynthia Oliver, Elsa Mulungo und Timoteo Canda.

Choreographie und Performance
Panaibra Gabriel Canda

Live-Musik
Jorges Domingos

Text
Panaibra Gabriel Canda

Licht Design
Myers Godwin

Lichttechnik
Aude Dierkens

Kostüme
Mama Africa und Lucia Pinto

Administration
Jeremias Canda

Requisite
Panaibra Gabriel Canda und Gonçalo Mabunda

Panaibra Gabriel Canda, geboren in Maputo, Mozambik, gehört zu den bedeutendsten Choreografen Afrikas, der die postkolonialen Verwerfungen seines Landes so vieldeutig wie kein anderer spiegelt. Er studierte Theater, Tanz und Musik in Mosambik und Portugal. Seit 1993 entwickelt Canda eigene künstlerische Arbeiten mit denen er weltweit tourt und zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

1998 gründete er in Maputo die Organisation CulturArte, das wahrscheinlich erste und einzige Produktionsstudio für zeitgenössischen Tanz in Mosambik. Als künstlerischer Leiter und Choreograf widmet er sich dort sehr erfolgreich dem Aufbau der regionalen Tanzszene.

Panaibra arbeitet seit 25 Jahren als Tänzer und Choreograf in Maputo und im Rest der Welt. Bei seinen zahlreichen Festivalauftritten in Europa wird man jedes Mal daran erinnert, dass intellektuell grundierter Tanz nicht zwangsläufig langweilig sein muss, sondern dynamisch und humorvoll daherkommen kann. Panaibras berühmte Marrabenta Solos sind ein wirksames Antidot zum tristen Konzepttanz deutscher Prägung. Sie beschreiben die politische Entwicklung seines Landes seit der Unabhängigkeit per Körpersprache, zeigen den kommunistischen, den totalitären, den demokratischen Körper entweder pur oder als avancierte Mischform.

Panaibra wurde kürzlich von der renommierten Fachzeitschrift TANZ zusammen mit 30 anderen internationalen Künstlern als „vielversprechendes  Talent für die Zukunft des Tanzes“ ausgezeichnet.

 

 

The man who did not see the whale pass by

(Un)official Language

Solo for Maria

Borderlines

Point of Intersection

Time and Spaces: The Marrabenta Solos