PLAN B

Gerard Reyes (CA)

Ich habe Lust an vielen Orten gefunden: in einer Transbar in Montreal, bei einem Manhattan Vogue Ball, in den Strip Clubs von Portland und auf Fetish Parties in Berlin. Jeder Ort ermöglichte mir die Flucht vor gesellschaftlichen Normen, doch stieß ich immer auch auf restriktive Hausregeln. In The Principle of Pleasure benutze ich das Theater als Raum, der Grenzen verschwimmen lässt, um mein erstes wahres Vergnügen zu teilen: das Tanzen auf Janet Jacksons verführerische Songs. Voguend und strippend, das Exzentrische preisend, verkörpere ich den Glamour und öffne den Tanzfloor, um die umstrittene Kraft der Lust spürbar werden zu lassen. Gemeinsam bringen wir die Grenzen zwischen Zuschauer und Performer zum Verschwinden und finden in und um uns Ekstase.

Dauer: 60 min.

Eine Produktion von Gerard X Reyes. Mit Unterstützung von Canada Council for the Arts, Conseil des arts et des lettres du Québec, New York State Council on the Arts und Office of the Government of Québec (Berlin). Residenzen: The Door (New York), The Spectrum (Brooklyn), MAI (Montreal), Studio Mange Mes Pieds (Montreal) und Dancemakers (Toronto).

Konzept, Choreografie und Performance
Gerard Reyes

Originalkomposition und Remixes
Devon Bate

"Control” Remix
Ty Harper

Mit der Musik von
Janet Jackson

Lichtdesign
Karine Gauthier

Kostüme
Vincent Tiley und Leigh Gallim

Make up
Christopher Lee

Helmdesign
Persona non Grata

Künstlerische Beratung
Archie Burnett, Ami Shulman, Jose Xtravaganza, Benoît Lachambre, Amazon Leiomy, Kristina Marlen, Jordan Hall, Matjash Mrozewski

Gérard X Reyes ist Choreograf, Tänzer, Lehrer, Videokünstler, somatischer Sexualberater, intimacy coordinator und Pionier der Kiki-Ballroom-Szene in Montréal. Seine künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle von embodied art, Kultursoziologie und Advocacy.

Gerard hat sieben Jahre als Tänzer in der Kompanie von Marie Chouinard verbracht und erhielt 2009 den Gemini Award von der Academy of Canadian Cinema & Television für seine “Outstanding Performance” in Chouinards Film bODY_rEMIX. In den letzten fünfzehn Jahren hat er in Montréal, Toronto, New York, Los Angeles und Berlin gelebt, wo er mit zahlreichen etablierten zeitgenössischen, Hip-Hop- und Vogue-Choreografen wie Jérôme Bel, Benoît Lachambre, Bill T. Jones, Shen Wei, Luther Brown und Leiomy Maldonado zusammengearbeitet hat.

2013 war Gerard Artist-In-Residence Québec/New York und erhielt ein Stipendium des Conseil des arts et des lettres du Québec, um in New York bei legendären Lehrern wie Archie Burnett Ninja, Leiomy Maldonado und Danielle Polanco Vogue zu studieren. Nachdem er jahrelang in Montréal und in Berlin Vogue unterrichtet hatte, kehrte er 2017 nach Montreal zurück, um in der Kiki-Ballsaal-Szene der Stadt Pionierarbeit zu leisten. Er leitete das wöchentliche Training für die lokale LGBTQ+-Jugend und veranstaltete regelmäßig Kiki-Bälle, darunter Bälle für Canada Pride (2017) und Fierté Montréal (2018).

In seiner ersten Solo-Arbeit The Principle of Pleasure untersucht er die Themen Kontrolle und Verführung, indem er Voguing, Striptease, Exzentrizität und Glamour miteinander verschmilzt. Das Solo wurde 2015 mit Original-Remixen von Songs der Pop-Ikone Janet Jackson uraufgeführt und tourte seither durch Kanada und Europa, darunter das Festival TransAmériques (Montréal), SummerWorks (Toronto), die P-rny Days (Zürich) und die Tanzfabrik (Berlin).

Kürzlich erhielt Gerard vom Institute of Somatic Sexology (Australien) ein Zertifikat in Sexological Bodywork. Dieses Zertifikat erlaubt ihm, körperorientierte Sexualberatung zu geben und bei Projekten als intimacy coordinator für Bühne und Film mitzuwirken. Gerard ist trauma-informiert und in der Lage, Klient*nnen und Darsteller*nnen behutsam in Atemarbeit, Körperwahrnehmung, Grenzziehung (Zustimmung), Kommunikation, Anatomie und Berührung zu coachen. Durch diese Praxis verhilft Reyes Menschen zu einer tieferen Verkörperung und Verbundenheit mit ihrem sinnlichen Selbst.

Gerard arbeitet derzeit an seinem neuen Stück Public Private Parts or L’Origine du monde, einer performativen Videoinstallation, welche im Mai 2021 beim Festival TransAmériques (FTA) in Montréal Premiere haben wird.

My work honours the often hidden parts of our society – participants in underground subcultures, people with alternative sexualities, members of visible minorities. These are my people. We live by our own queer ideals of pleasure, agency and equality, and we seek to make this manifest in every part of our lives. Seeing no separation between life and artistic practice, I reject artistic hierarchies. No cultural form is inherently better and more worthy of attention than others. For me, all modes of human expression have equal weight. As a choreographer, I want to redistribute power in the theatre and on screen, and give centre stage to social issues that deserve more attention. By building communities around dance and embodiment I hope to inspire everyone to reap the benefits of their own sensual expression.  – Gerard Reyes

The Principle of Pleasure