Das Wort „treta“ ist brasilianischer Straßenslang und bedeutet „etwas, das schiefgelaufen ist“ oder eine Art unerwarteter Ärger oder Konflikt.
tReta ist ein Konflikt, eine Explosion, eine vorsätzliche Handlung, um den anderen einzubeziehen, bei der das Publikum eingeladen wird, in die Realität des Alltags in einer brasilianischen Stadt einzutauchen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und das Selfie des Tages zu schießen. Zeuge zu werden der Gewalt gegen marginalisierte Körper in Brasilien (nur dort?), der sozialen Ungleichheiten und der daraus entstehenden Spannungen. Die „treta“, der Kampf, in der Geopolitik, in den Stadtvierteln, in breaking battles. Der eigene Kampf des Kollektivs, in dem der Tanz ein Mittel ist, sich in der Welt zu positionieren. Die Bewegungen dieses Tanzes sind der Ausdruck von Molekülen dessen, was tatsächlich geschieht, der alltäglichen, physischen Realität.
In einer ebenso radikalen wie unverblümten Performance nimmt eine Gruppe von Darstellern Kontakt zu dem Publikum auf, das in völlige Dunkelheit getaucht ist. Mit in ihren T-Shirts versteckten Köpfen, mit nacktem Oberkörper und auf Skateboards bewegend, schaffen sie eine Atmosphäre, die die Dringlichkeit, Gewalt und Feindseligkeit des städtischen Lebens in Brasilien heraufbeschwört, dem sie tagtäglich ausgesetzt sind. Zwischen Zusammenstößen, Raserei und Aggression spiegeln ihre Gesten die Komplexität der Metropole und das Chaos der dort entstehenden menschlichen Beziehungen wider. Oft als Wegwerfprodukte betrachtet, als Ausdruck sozialer Ungleichheiten, ethnischer Diskriminierungen und Wertekonflikte, werden ihre Körper hier zu einer Kritik an dysfunktionalen Gesellschaften und beschwören Formen des Zusammenlebens herauf, die das Fortbestehen ursprünglicher Gemeinschaften ermöglichen.
Aus den Klängen und Bewegungen der urbanen Kultur gewachsen, ist tReta ein künstlerischer Akt, der sich gegen Unterdrückung und den täglichen Kampf wendet und den Moment des Zusammenseins wertschätzt.
Dauer: 50 min.
Eine Produktion von Original Bomber Crew und Revoada|CAMPO. Research und kreative Residenzen zwischen 2017 und 2018 in Teresina/ Piaui, in Casa de Hip Hop, Espaço Balde und CAMPO Arte/Revoada Casa de Produçao.